Warum Tennis zurzeit für Kinder so wichtig ist

In der Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer und in der C- und B-Trainer-Ausbildung des DTBs arbeite ich seit Jahren mit einem Diplompsychologen und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche zusammen. Von diesem habe ich mich auch in der aktuellen Trainingsplanung beraten lassen. Ist es normalerweise für Kinder und Jugendliche schön, Sport in einer Gruppe auszuüben, empfahl er uns in der jetzigen Situation, viel Einzeltraining zu geben. Nach seinen Aussagen sind gerade Kinder und Jugendliche zurzeit besonderen Belastungen ausgesetzt. Die gewohnte Struktur des Tages ist verloren gegangen, Meldungen der Medien sind beängstigend und oft unverständlich und auch der Anblick Masken tragender Menschen verunsichert.

Sollten demnächst die Schulen wieder geöffnet werden, verstärken sich die Unsicherheiten, da hier permanent weitere Ermahnungen, Warnungen und Verhaltensregeln ausgesprochen werden. Diese führen verstärkt zu Unsicherheit und Angst.

Ist das eigene Zuhause zurzeit der perfekte Ort ist für Kinder? Da bin ich mir nicht sicher. Die verständliche Unsicherheit vieler Eltern, eventuelle existenzielle Sorgen, Arbeiten im Home-Office mit dem Ruf nach Ruhe im Haus, verstärkte Kontrolle und wachsende Dünnhäutigkeit der Eltern gehen nicht spurlos an Kindern vorüber. Oder gibt es momentane viele Kinder, die in den eigenen vier Wänden ihre Emotionen so ausleben dürfen, wie sie es möchten? Allein der dadurch entstehende Geräuschpegel erzeugt bei vielen Eltern schon Stress.

Einzeltraining für Kinder und Jugendliche ist eine sinnvolle Maßnahme in Krisenzeiten

Genau an dieser Stelle kann das Tennistraining die Rettung sein. Hier kann das Kind seine Emotionen ausleben. Im Einzeltraining gibt es keinen Grund für Unsicherheit. Das Kind ist allein mit seinem Trainer auf dem Platz, hat über 300 m² für sich, kann aus hygienischer Sicht und unter dem Aspekt der Sicherheit nichts falsch machen. Und bei einem ausgebildeten Tennislehrer, der sich auf seinen Job versteht, kann es sich für eine gewisse Zeit wieder einmal frei fühlen und seine Emotionen ausleben.

Was ist in den kommenden Wochen das oberste Trainingsziel? Es geht darum, in die Augen der Kinder zu schauen, um festzustellen, ob es ihnen gut geht. Es geht darum, Emotionen auf dem Platz zu erleben. Dabei darf es gerne etwas lauter werden. Das gehört schließlich dazu, wenn Emotionen ausgelebt werden.

Wie gesagt, ist das eine Empfehlung eines Kinderpsychotherapeuten. Natürlich versuchen wir auch in einem Zweiertraining eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, sind aber verständlicherweise dazu gezwungen, die Abstandsregeln zu kontrollieren, anzumahnen und einzuhalten.

Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich den Leitartikel in der neuen Verbandszeitschrift des Verbandes Deutscher Tennislehrer VDT, die ich unter verlinkt habe.

VDT_Report_2/2020